Sozialdokumentarische Fotografie (2023–2025)

Arbeitskampf – Mitbestimmung zwischen Effizienz und Existenz

Die Bild­se­rie „Arbeits­kampf“ doku­men­tiert den Wider­stand der Stahl­ar­bei­ter im Ruhr­ge­biet in einer Pha­se tief­grei­fen­der indus­tri­el­ler Umbrü­che. Inmit­ten der grü­nen Trans­for­ma­ti­on und glo­ba­ler Markt­dy­na­mi­ken rückt die foto­gra­fi­sche Arbeit den Kon­flikt um Arbeit, Wür­de und Mit­be­stim­mung in den Fokus. Die Auf­nah­men ver­ste­hen den Pro­test nicht nur als indus­tri­el­len Fach­kon­flikt, son­dern als Aus­druck einer sozia­len Span­nung, die weit über die Werks­to­re hinausreicht.

Das zen­tra­le Werk die­ser Aus­wahl mit dem Titel „Nur gemein­sam stark“ fängt einen ent­schei­den­den Moment vor der Thys­sen­krupp-Kon­zern­zen­tra­le in Essen ein. Die Kom­po­si­ti­on kon­tras­tiert die demons­trie­ren­de Beleg­schaft auf dem Vor­platz mit drei Män­nern in Anzü­gen, die aus der Distanz der obe­ren Eta­gen auf die Men­ge bli­cken. In die­ser ver­ti­ka­len Tren­nung wird die sozi­al­do­ku­men­ta­ri­sche Essenz der Arbeit greif­bar. Es ist ein Bild über Macht­ge­fü­ge, sozia­le Distanz und die Behaup­tung von Gemein­schaft inner­halb einer har­ten wirt­schaft­li­chen Realität.

Die foto­gra­fi­sche Beob­ach­tung nutzt die­ses Ein­zel­bild als Stell­ver­tre­ter für eine weit­rei­chen­de Erzäh­lung, die über zwei Jah­re hin­weg ver­schie­de­ne Sta­tio­nen des Pro­tests beglei­tet hat. Die Bild­fol­gen doku­men­tie­ren den Schul­ter­schluss mit der Poli­tik um Huber­tus Heil, das Schwei­gen der Kon­zern­füh­rung um Miguel Ángel López sowie Sym­bo­le des Abschieds wie den ritu­el­len Trau­er­kranz für die Mitbestimmung.

In der Tra­di­ti­on einer zeit­ge­nös­si­schen Sozi­al­do­ku­men­ta­ti­on blickt die Serie auf die his­to­ri­sche Tie­fe der Regi­on und stellt die Fra­ge nach dem Wert mensch­li­cher Arbeit in einer Zeit glo­ba­ler Effi­zi­enz­kal­ku­la­ti­on. Die Foto­gra­fie fun­giert hier nicht nur als Zeug­nis eines tages­ak­tu­el­len Ereig­nis­ses, son­dern als visu­el­le Ana­ly­se gesell­schaft­li­cher Brü­che. Die Auf­nah­me vor der glä­ser­nen Zen­tra­le zeigt einen Pro­zess, in dem die über Jahr­zehn­te erkämpf­te Mit­be­stim­mung auf die Pro­be gestellt wird und indi­vi­du­el­le Exis­ten­zen auf öko­no­mi­sche Stra­te­gien treffen.

Foto: Nur gemein­sam stark | Thys­sen­Krupp-Kon­zern­zen­tra­le, Essen, 23.05.2024

Es ist ein laut­star­ker Pro­test. Die IG Metall und die Betriebs­rä­te wer­fen dem Kon­zern­chef Miguel López Intrans­pa­renz bei der geplan­ten Betei­li­gung eines Inves­tors vor. López ver­hand­le im Gehei­men über einen Teil­ver­kauf der Stahl­spar­te und stel­le die Arbeit­neh­mer vor voll­ende­te Tat­sa­chen – so der Vor­wurf. Unter dem Mot­to „Stopp. So nicht, Herr López“ pro­tes­tier­ten am 23. Mai 2024 die Stahl­ar­bei­ter vor der Thys­sen­Krupp-Kon­zern­zen­tra­le in Essen und for­der­ten ein gemein­sa­mes Vor­ge­hen auf Augen­hö­he. Den Pro­tes­ten tau­sen­der Mit­ar­bei­ter zum Trotz und gegen die Stim­men der Arbeit­neh­mer­ver­tre­ter stimm­te der Auf­sichts­rat noch am glei­chen Tag für den Ein­stieg des neu­en Investors.